Reben, Rhein und Rosen

Vom meist besuchten und besungenen Felsen oberhalb des Rheins, der Loreley, sind es noch ein paar Kilometer und Kurven rheinaufwärts zu einer der malerischsten Weinlandschaften Deutschlands: dem Rheingau. Romantisch, gastfreundlich und touristisch voll erschlossen.

 Am besten nähert man sich von Nordosten her auf der B 42. Tempolimit und Überholverbot zwingen zu gemütlichem „Cruisen“. Es geht vorbei an Burgruinen, pittoresken Fachwerkhäusern, herausgeputzten Orten und jeder Menge Straußwirtschaften, in denen Wein und Spezialitäten der Region aufgetischt werden. Der Rheingau, auch UNESCO-Weltkulturerbe, beginnt offiziell in Lorch. Wirklich da ist man, wenn der Rhein westwärts fließt. Einer Laune der Natur hat die Region ihre Existenz zu verdanken. Zwischen Wiesbaden und Rüdesheim weicht der Rhein von seinem sonst nordwärts gerichteten Lauf nach Westen ab. Das mediterrane Klima und die zur Sonne geneigten Hänge des Taunus begünstigen Rebwachstum und Reife der überwiegend angebauten Rieslingtraube.

 Ballermann des Rheingaus

Am westlichen Ende des Rheingaus liegt Rüdesheim, wahrscheinlich Deutschlands weltbekannteste Stadt nach Berlin. Touristen aller Nationen strömen ganzjährig durch die Drosselgasse – der Ballermann des Rheingaus. Romantisch ist hier nichts mehr. Souvenirläden reihen sich an Biergärten mit multilingualer Bedienung. Empfehlenswert hingegen sind die Brömser Burg mit dem Weinmuseum und der Brömser Hof mit Siegfried Wendels Mechanischem Musikinstrumentenkabinett. Rund 350 Instrumente von der Spieluhr aus dem 18. Jahrhundert bis zur wuchtigen Jahrmarktorgel rattern und klimpern für die Besucher. Einen verklärten Blick ins Rheintal bietet die Gondelfahrt hinauf zum Niederwald-Denkmal und zur frisch renovierten Germania. Zurück geht es zu Fuß durch die Weinberge.

Dem Römer folgen

Überhaupt lädt der Rheingau mit gut beschilderten Routen zum Wandern zu Fuß oder mit dem Rad ein. Festes Schuhwerk und eine aktuelle Wanderkarte sind ein Muss, gute Kondition und ein starker Wille empfehlenswert. Denn die Routen bieten viel fürs Auge, noch mehr aber für Gaumen und Magen. Den Rheingau in seiner ganzen Schönheit erlebt man auf der Rheingauer Riesling Route. Dem Römer folgend führt sie von Lorch bis Flörsheim-Wicker und zurück. Der Römer ist allerdings kein antiker Krieger, sondern das typische Trinkgefäß dieser Region. Wem das zu rustikal ist, für den bietet Schloss Johannisberg das passende Ambiente.

Wer zu spät kommt…

Auf Schloss Johannisberg, dem ersten Weingut der Welt und noch heute bedeutende Weindomäne mit hervorragenden Lagen, wurde diese Bauernweisheit neu geschrieben. Denn nicht bestraft, sondern reich beschenkt wurden die Benediktinermönche 1775, als sie die bereits faulenden Trauben kelterten, nachdem der Kurier mit der Erlaubnis zur Lese verspätet zurückkehrte. Statt verdorben zu sein, überraschten die Trauben mit einer besonderen Süße. Die Spätlese war geboren. Dem Reiter wurde auf Schloss Johannisberg ein Denkmal gesetzt. Als Comicheld Karl trat der Spätlesereiter seine Reise um die Welt an. Versehen mit Anekdoten aus dem 18. bis 21. Jahrhundert und Trinksprüchen von Dichtervater Goethe erweckte der Illustrator und Maler Michael Apitz die Figur zu neuem Leben. Zwölf Bände sind erschienen und in viele Sprachen übersetzt worden.

Stadt der Reben und der Rosen

Sinnlichste Stadt des Rheingaus ist Eltville. Die Stadt der Reben und der Rosen läutet im Juni die sinnreiche Saison ein: Zigtausend Rosenstöcke locken mit intensiven Farben und Düften. Beliebte Flaniermeile: der Burggraben mit Rosengarten und Rheinpromenade. Im Altstadtcafé Glockenhof wird die Rose als feiner Rosentrüffel zur zuckersüßen Köstlichkeit. Die Rose läutet auch die Zeit der Rheingaufeste ein: Sektfest, Weinfest, Erdbeerfest, das Rheingau Musikfestival (Juni – August) mit vielen internationalen Stars und die Eltviller Burghofspiele (Juni – August). Einfach hinfahren und genießen.

 Anregungen im Internet:

 

Text und Foto: ©Oliver Wessel

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