Augenschmaus und Gaumenkitzel

Wildpflanzen sind natürliche Nahrungsergänzungsmittel, die es wieder zu entdecken gilt. Reich an Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen überraschen sie mit ungewohnten Geschmackserlebnissen und sorgen für eine abwechslungsreiche Vielfalt auf dem Speiseplan.

Für Kinder sind Gänseblümchen immer was Besonderes. Kann man aus ihnen doch schöne Girlanden flechten, Haarkränze für die erste Sandkastenliebe gestalten und ein vergnügliches Lachen ernten, die Liebe abzählen oder einen Strauß binden und verschenken. Und wenn gar nichts mehr geht, steckt man die Blüten einfach genussvoll in den Mund und zerkaut sie. Nix ist da bäh. Gänseblümchen sehen nämlich nicht nur lustig aus, sie schmecken auch. So ein bisschen wie Feldsalat. Dass Gänseblümchen gut tun, weiß jedes Kind. Wohingegen manche Eltern das Grausen packt, wenn die Blümchen im Kindermund verschwinden.

Heilkraut und Vitaminbombe

Bei Gänseblümchen besteht keine Gefahr. Sie sind weder giftig, noch schwer verdaulich. Ganz im Gegenteil. Gänseblümchen sind gesund und wachstumsfördern. Sie sind reich an Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen, Vitamin A und C. Außerdem enthalten sie Gerb- und Bitterstoffe, Saponine, Schleimstoffe, fettes Öl und Inulin, regen den Stoffwechsel, die Blutbildung und die ableitenden Harnwege an. Äußerlich helfen sie gegen Akne und unterstützen die Wundheilung. Ein ganz schön gesundes Kraut, das Gänseblümchen.

Verdrängte Geschmackserlebnisse

Es ist eine von über 200 essbaren Wildpflanzen, die bei uns zum größten Teil frei verfügbar sind. Das Wissen darum ist leider in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg weitestgehend verloren gegangen. Wildpflanzen essen war im Krieg überlebenswichtig, für viele die einzige Nahrung, die in großen Mengen verfügbar war. Das Wirtschaftswunder sowie die gewerbliche und industrielle Versorgung mit kultiviertem Gemüse und Obst verdrängte die Selbstversorgung mit Wildpflanzen. Mit dem Geschmackserlebnis ging auch das Wissen um die Heilkraft der Pflanzen verloren. Denn sie liefern je nach Reifegrad über das Jahr die Nährstoffe, die für den Menschen wichtig sind.

Ach du grüne Neune

Verwundert darf man schon sein, wenn man erfährt, was unsere Vorfahren auftischten. Bestes Beispiel für die jahreszeitbedingte Ernährung ist die „Grüne Neune“. Eine Frühlingssuppe aus neun Wildpflanzen, die über Jahrhunderte hinweg Kultspeise für die Auskehr des Winters und Erwachen des Lebens war. Die neun Wildkräuter entfalten zu Beginn des Frühlings ihre größte Wirkung: Brennnessel, Bärlauch, Löwenzahn, Giersch, Gundermann, Sauerampfer, Spitzwegerich, Schaumkraut – und das Gänseblümchen. Da ist es wieder. Die Kinder wissen noch, was gut ist. Die Erwachsenen lernen es wieder.

Wilde Kräuterküche

Es lohnt, sich der Natur anzuvertrauen. Sie ist überreich an Aromen, Düften, Nährstoffen und Heilkräften. Verführerische Wildpflanzenrezepte bereichern ganzjährig den Speiseplan und bieten überraschende Geschmackserlebnisse. Mit Blüten lassen sich Salate und Desserts verfeinern. Wer Spinat mit und ohne Sahne nicht mehr mag, wechselt zu Brennnesselblättern und Giersch. Beide finden sich nicht selten im eigenen Garten und sind als Unkräuter verflucht. Völlig zu Unrecht. Man kann sie essen. Sie schmecken wie Spinat, sind jedoch weitaus aromatischer und würziger. Als Frittata, Gnocchi oder Brot sind Brennnesseln eine überraschende wie schmackhafte Variante. Diese und weitere verführerische Wildpflanzenrezepte haben Diane Dittmer, Anke Schütz und Krisztina Zombori in ihrem Buch „Wildes Grün“ zusammengestellt und mit tollen Fotos abgeschmeckt.

Essbares im eigenen Garten

Rosen im Garten betören Auge und Nase. Als Gelee, Chutney, Sirup oder Likör sind sie ein exotischer Gaumenkitzler. Im Gegensatz zu den pflegeintensiven Rosen sind essbare Wildpflanzen anspruchslos, robust und widerstandsfähig. Man findet sie am Wegesrand, im Wald und auf der Wiese. Am besten gedeihen sie im eigenen Garten. Anleitungen hat Marlies Ortner in ihrem Buch „Essbare Wildpflanzen aus dem Hausgarten“ zusammengestellt. Damit ist eine reichhaltige, gesunde und abwechslungsreiche Kräuterküche ganzjährig verfügbar. Also, wohl bekomms!

Buchtipps:

Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger

Essbare Wildpflanzen

200 Arten bestimmen und verwenden

ATVerlag, ISBN 978-3-03800-335-9

Das Buch gibt es auch als App.

 

Rudi Beiser

Unsere essbaren Wildpflanzen

Bestimmen, sammeln und zubereiten

Kosmos, ISBN 978-3-440-13605-8

 

Marlies Ortner

Essbare Wildpflanzen aus dem Hausgarten

150 Arten: Obst, Kräuter, Gemüse

Ökobuch, ISBN 978-3-936896-59-6

 

Diane Dittmer, Anke Schütz, Krisztina Zombori

Wildes Grün

Verführerische Wildpflanzenrezepte durch das ganze Jahr

ATVerlag, ISBN 978-3-03800-742-5

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