Heinsberg – Stadt mit Potenzial

Ich werde immer wieder gefragt, was mich nach Heinsberg verschlagen hat. Wüsste ich es nicht besser, würde ich jedem dieselbe Frage stellen. Was um aller Welt erhofft man im westlichsten Zipfel der Republik zu finden?

Im regionalen Vergleich punktet Heinsberg mit einer guten Infrastruktur und einem günstigen Preisniveau im Wohnungsmarkt. Im Vergleich zu Großstädten und Ballungszentren wie Aachen, Düsseldorf, Köln und Neuss ist es ein angenehmer Lebensmittelpunkt. Die Ruhe und Abgeschiedenheit bietet einen enormen Erholungswert. Wenn man die Vorzüge der Großstädte erleben möchte – im Umkreis von einer Autostunde sind etliche erreichbar. Interessant ist auch die Nähe zu den Niederlanden. Nur ein paar Kilometer mit dem Auto, dem Fahrrad oder sogar auf Inlineskates, und man ist im Ausland unterwegs.

Florierende Fußgängerzone

Was ich an Heinsberg aber auch schätze, ist das Potenzial, dass in dieser Stadt noch schlummert. Vielleicht braucht es noch ein wenig Geduld, Zeit und eine jüngere Generation von Stadtplanern und Verwaltungsmenschen. Aber die Basis für eine florierende Innenstadt ist zum Greifen nahe. Ich sehe sie deutlich vor mir, diese wunderschöne, zum Bummeln und Verweilen einladende Einkaufspromenade, die sich sanft durch das Zentrum dieses Ortes schlängelt. Eine bunte Mischung von Boutiquen, Läden und Gastronomie, insbesondere ein paar gemütliche Cafés, eines mit einem Klavier und einem engagierten Pianisten, sehe ich durchaus, wenn ich in Gedanken die Hochstraße entlang schlendere.

Bekenntnis einer Stadt

Eigentlich sollte das kein Traum sein. Denn wie heißt es auf der Website der Stadt unter http://www.heinsberg.de so schwärmerisch:

„Die Heinsberger Fußgängerzone und zahlreiche verkehrsberuhigte Bereiche laden zum ausgiebigen Stadtbummel ein. Der erlebnisreiche Rundgang durch die Heinsberger Geschäftswelt erstreckt sich mit attraktiven Angeboten guter Gastronomie und vielfältiger anspruchsvoller, kundenorientierter Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen über Hochstraße, Apfelstraße und Liecker Straße bis hin zum Marktplatz.“

Fantastische Aussichten

Klingt nicht nur fantastisch, sondern ist es auch. Alles nur ein Traum, wenn auch ein schöner. Ich habe in Heinsberg noch keine Fußgängerzone entdeckt. Selbst dort, wo man es kaum vermutet und die Beschilderung auf eine Fußgängerzone schließen lässt, fahren abends Autos. Und das nicht nur langsam und unauffällig, sondern schon recht zügig und in gewohnter Manier. Verkehrsberuhigt? Mich hat Verkehr noch nie beruhigt, erst Recht nicht in Heinsberg. Die Hochstraße ist als Spielstraße beschildert. Heißt, erlaubt ist Schritttempo von maximal 10 km/h. Hier einen Blitzer aufstellen, und die Stadtkasse kann sich locker wieder zwei Freibäder leisten. Überhaupt hält man in Heinsberg nichts von Tempolimits oder die beschränkte Straßennutzung. Kontrolliert doch keiner. Ok, das ist eine andere Baustelle. Jedenfalls gibt es keine Fußgängerzone in Heinsberg, in der nicht auch Kraftfahrzeuge und Fahrräder unterwegs sind. Auch einen erlebnisreichen Rundgang durch die hiesige Geschäftsweld stelle ich mir anders, erlebnisreicher eben, vor. Attraktiv, anspruchsvoll, gut und vielfältig, ja sogar kundenorientiert. Wenn man auf Karohemden steht, ja, da gibt es was.

Hot Spot Heinsberg

Ach, Heinsbergs Flaniermeile könnte ein Hot Spot in der Region sein. Hat denn keiner der Stadtplaner mal je einen Blick aus der Luft auf die Innenstadt geworfen? Die Zu- und Abfahrten der Hochstraße und der Erzbischof-Phillip-Straße als ihre Verlängerung lassen sich an einer Hand abzählen. Soll heißen, mit vier bis fünf Hubpollern ließe sich der Straßenzug vom Durchgangsverkehr trennen, zeitweise oder sogar ständig. Es gibt genügend Umgehungsstraßen mit großen Parkflächen, um die wenigen Parkzonen in der Hochstraße abzufedern. Der Gewinn? Gewaltig! Heinsberg hätte mit einem Schlag eine geradezu malerische und einladende Fußgängerzone mitten in der Innenstadt. In kürzester Zeit wären sie da, die attraktiven Boutiquen, die einladende Gastronomie, Straßencafés mit ihrer bunten und lebendigen Straßenbestuhlung. Dann könnten auch die vielen Metallpfosten entfernt werden, die zurzeit Autofahrer davon abhalten sollen, gänzlich allen Raum in zweiter und dritter Reihe zuzuparken. Hach, das wär schon was mit Heinsberg. Ach, wo wir gerade bei den Träumen sind: Den Wochenmarkt müsste man natürlich auf den Samstag legen. In allen attraktiven Städten findet der Wochenmarkt auch samstags statt. Was gibt es Schöneres, als samstags über den Markt und anschließend ins Café zu schlendern, Freunde zu treffen oder den anderen beim Shoppen zuzuschauen. Wie gesagt, Heinsberg hat Potenzial. Und ja, ich lebe gerne hier. Hier tut sich was, in Zukunft.

Text und Zeichnung: Oliver Wessel

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