Wasserspiele im Grünen

Der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel ist Europas größter Landschaftsgarten in Hanglage. Vor über 300 Jahren als barocke Belustigung des Adels erbaut, erfreut er bis heute Besucher aus aller Welt und gehört seit 2013 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Wer an die Stadt Kassel denkt, hat zunächst die Kunstmesse documenta im Sinn. Alle fünf Jahre sorgt sie international für Aufsehen. Nicht weniger aufregend und seit 2013 UNESCO Weltkulturerbe ist die Gartenkunst, die seit über 300 Jahren Adel und Bürgertum erfreut. Wer kennt ihn nicht, den stattlichen Herkules auf dem Karlsberg? Kassels Wahrzeichen markiert den größten Bergparks Europas. Rund 560 Hektar groß beherbergt er über 500 Gehölzarten. Ein Naturerlebnis von besonderer Art.

Kassel Wilhelmshöhe Bergpark
Der Herkules schaut zu

Idealisierte Naturlandschaft

Natur? Im Bergpark Wilhelmshöhe ist nichts natürlich, auch wenn es so aussieht. Von 1696 an wurde er Stück für Stück von Landschaftsplanern, Architekten und Ingenieuren im Stile eines englischen Landschaftsgartens erbaut. Eine barocke Vergnügungsstätte, die den Landgrafen und Kurfürsten von Hessen-Kassel, später den preußischen Königen und deutschen Kaisern als Sommerresidenz diente. Es entstand eine idealisierte Naturlandschaft mit verschlungenen Wegen zum Flanieren, versteckten Tempeln für die Liebenden, die als Ruine gebaute und einem mittelalterlichen Ritterssitz nachempfundene Löwenburg bis hin zum Schloss Wilhelmshöhe. Von hier aus genießt man den freien Blick auf den Bergpark hinauf zum Herkules.

Kassel Wilhelmshöhe Bergpark
Das Wasser kommt

Gefälle und Wasserdruck

Zu Fuß ist es kein einfaches Unterfangen, die rund 300 Höhenmeter zu bewältigen. Und doch zieht es jeden Sommer Tausende von Menschen aus aller Welt hinauf zur Statue. Nicht allein, um den geraden, unverbauten Blick auf Schloss und Stadt zu genießen. Auch nicht, um über märchenhaft verschlungene Wege durch den Park zu schlendern und die Ruhe zu genießen. Sie kommen, um das Theater zu erleben, wenn 230.000 Liter Wasser über Steintreppen, Wasserfälle, Teiche, Bachläufe und einen Aquädukt talwärts stürzen. Seit Eröffnung der Wasserspiele zu Beginn des 18. Jahrhunderts hat das Spektakel nichts an seinem Reiz verloren. Einzig Gefälle und Wasserdruck sorgen für das unterhaltsame Szenario.

Kassel Wilhelmshöhe Bergpark
Faszinierende Fontäne

Der Lauf des Wassers

Punkt 14.30 Uhr wird es feucht zu Füßen des Herkules. In der achteckigen Grottenanlage beginnt es zu gurgeln. Wasser schießt hervor und stürzt die wild aufgetürmten Felsklippen herab. Mit den Fluten setzen sich auch die Menschen in Bewegung, folgen dem Lauf des Wassers den Karlsberg hinab. Der Sage nach besiegte Herkules den Giganten Enkelados. Aus dessen Mund im Riesenkopfbecken schießt eine zwölf Meter hohe Wasserfontäne empor. Ein Zentaur und ein Faun in den Nischen stoßen in ihre Hörner: Die Wasserspiele sind eröffnet.

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Kaskaden von Wasser und Menschen

Schwieriges Terrain

Die Stehplätze entlang der Kaskaden sind begehrt. Eine Hand breit entfernt läuft das Wasser vorbei. Erst sind es wenige Tropfen, dann ein dünnes Rinnsal. Schließlich flutet das Wasser die erste Stufe, dann die zweite, dritte und strömt ins Neptunbecken. Mit dem letzten Wasserschwall pilgern die Menschen zur nächsten Station, dem Steinhöfer Wasserfall. Auch hier wurde jeder Stein bewusst positioniert, damit das Wasser weiß aufschäumend über den Hang fließt. 15 Minuten später erreicht es die Teufelsbrücke und stürzt als tosender Wasserfall in den Höllenteich hinab. Fürs Publikum ein schwieriges, weil glitschiges Terrain. Ob da der Blick für den Jussowtempel oder die Löwenburg bleibt? Um 15.45 Uhr schießt unter großem Beifall eine 50 Meter hohe Fontäne aus dem Teich unweit des Schlosses Wilhelmshöhe empor. Allein mit der natürlichen Kraft des Wasserdrucks. Keine Pumpen oder Maschinen treiben das Wasser voran. Aus Sammelbecken weit oberhalb des Herkules wird es unterirdisch hergeleitet. Eine architektonische wie ingenieurtechnische Meisterleistung.

 Die Wasserkünste:

Vom 1. Mai bis 3. Oktober immer mittwochs, sonn- und feiertags

Eintritt kostenlos, Führungen Treffpunkt 14 Uhr am Herkules

 Beleuchtete Wasserkünste

Juni bis September, jeweils erster Samstag des Monats

Start: Juni/Juli 22 Uhr, August 21.30 Uhr, September 21 Uhr

 Weitere Infos:

www.bergpark.de

Öffnungszeiten und Infos zu den Wasserspielen

Bergpark-App

Text&Fotos: Oliver Wessel

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